Schuhbidu, Schuhbidubiduu – Interview mit Schuhdesignerin Alina Schürfeld

Als geheimnisvolle Jägerinnen der Nacht geben die Eulen zunächst einen weisen Tipp in Sachen Mode: „Jedes Mal, wenn du dein Outfit wählst, denke daran: falls du an diesem Tage stirbst, wird das dein Geister-Outfit für immer.“ Also raus aus den Quadratlatschen, ihr Mäuse, und rein ins edle Schuhwerk! Weil sie besonders viel von Letzterem versteht, haben die Eulen die Hamburger Designerin Alina Schürfeld in die Eulenredaktion eingeladen und mit ihr über ihren Stil, ihre Werte und ihren Werdegang gesprochen.

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Zum Anbeißen und Anfassen: Alina (Mitte), ihre Schuhe und ihr Material im Eulennest, Fotocredit: Dörte

Das Modelabel von Alina Schürfeld heißt wie sie selbst, nämlich ALINASCHUERFELD, und wurde 2009 von ihr gegründet. Alinas Vision war von Anfang an, Schuhe verantwortungsvoll produzieren und gleichzeitig einzigartig aussehen zu lassen. Ihr Label kombiniert moderne Silhouetten mit feinster Handwerkskunst und umweltfreundlichen Materialien. Die Designerin arbeitet mit Handwerksbetrieben in Italien, Portugal und Spanien zusammen, in denen ihre Schuhe aus vegetabil oder chromfrei gegerbtem Leder angefertigt werden. Alinas Motto für ihre Entwürfe finden die Eulen super: Schuhe für Frauen mit Stil, die niemals Kompromisse machen und dabei an die Umwelt denken. Auf den Punkt: COOL GIRLS CARE! Jetzt viel Spaß beim Interview!

Eulen: Hallo liebe Alina Schürfeld. Willkommen in der Eulenredaktion und bei uns im Klassenzimmer. Dürfen wir uns duzen oder siezen?

Alina: Gerne duzen.

Eulen: Hast du eine Ausbildung?

Alina: Ich habe in London Interior Design studiert und in diesem Beruf selbstständig gearbeitet, bevor ich das Label gegründet habe. 

Eulen: War Schuhdesignerin schon dein Traumberuf, als du klein warst?

Alina: Nein. Als ich klein war, wollte ich Opernsängerin werden, weil ich gerne gesungen habe – obwohl ich recht talentfrei war. Archäologie hatte ich auch im Kopf. Als ich sieben Jahre alt war, sind wir für die Sommerferien nach Ägypten gereist und haben unter anderem das Tal der Könige in Luxor besucht. Das hat mich extrem beeindruckt.

Eulen: Beschreibe dich in drei Worten!

Alina: Selbstironisch. Zielstrebig. Empathisch.

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Alina nahm sich für die Eulen sehr viel Zeit, Fotocredit: Dörte

Eulen: Was ist deine Lieblingsfarbe?

Alina: Eigentlich habe ich keine Lieblingsfarbe. Ich denke, ich lasse mich immer wieder gerne auf die neuen Farben der Saison ein. Zurzeit mag ich die Farbkombination Karamell und Weiß mit goldfarbenen Nieten. Rouge Noir finde ich auch sehr lässig.

Eulen: Was ist Rouge Noir?

Alina: Der Farbton geht in Richtung Aubergine. Man könnte auch Black Cherry sagen.

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Die Stiefellette HELLA in Rouge Noir aus Alinas Winterkollektion 19/20, Fotocredit: Linda Musa

Eulen: Hat dir jemand geholfen oder hast du dein Label ganz allein aufgebaut?

Alina: Ich hatte stets Zuspruch und tatkräftige Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden, was eine große Hilfe war und ohne die ich sicherlich nicht so weit gekommen wäre.

Eulen: Wo werden die Schuhe gemacht, in einem Atelier oder in einer kleinen Werkstatt?

Alina: Wir lassen unsere Schuhe in spanischen, portugiesischen und italienischen Manufakturen fertigen. Für uns ist Handarbeit ein Kulturgut, welches weitergegeben werden sollte.

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Inspiriert von Alina fertigten die Eulen eigene Entwürfe an, Fotocredit: Arlena

Eulen: Wie verläuft der Produktionsprozess von einem Paar Schuhen?

Alina: Zuerst beschäftigen wir uns mit den modischen Tendenzen der kommenden Saison, also Farben, Formen, Strukturen und Details. Es ist wichtig zu wissen, in welche Richtung der Markt sich entwickeln wird. Mit diesem Wissen werden die ersten Entwürfe gezeichnet, welche dann selektiert und die Favoriten im Detail ausgearbeitet werden. Danach bestimmen wir den Leisten (die Form des Schuhs, die Eulenredaktion) und die Absätze. Der Leistenhersteller fertig uns ein Modell in der gewünschten Schuhgröße und berücksichtigt dabei unsere individuellen Maße, z. B. die Ballen- und Fersenbreite. Im nächsten Schritt erstellt der Modelleur die Schnittteile, welche für den Zuschnitt des Leders benötigt werden. Das Leder wird mit dem Futterleder vernäht, die Kappen eingearbeitet, der Schaft gezwickt, die Sohlen und Absätze montiert. Im letzten Schritt werden die Innensohlen verklebt und die Sohlen poliert. Nun kann das Modell getestet werden und muss gegebenenfalls – falls etwas nicht stimmt – wieder abgeändert werden.

Eulen: Wooooow! Was für ein Gefühl hast du, wenn ein Schuh fertig ist und er genauso geworden ist, wie du wolltest?

Alina: Ein Gefühl von Ruhe.
 
Eulen: Welches Schuhdesign von deiner Kollektion gefällt dir am meisten?

Alina: Der gepiercte LOULOU LOAFER aus chromfrei gegerbtem Lachsleder. Er hat eine eigenständige Linienführung und somit einen hohen Wiedererkennungswert. Das zeitgemäße Design in Kombination mit dem umweltfreundlichen Material verkörpert unsere Linie am besten.

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THE LOULOU LOAFER auf dem Eulenredaktionstisch, Fotocredit: Dörte

Eulen: Wie viele Jahre hast du dein Geschäft in Hamburg schon?

Alina: Das Geschäft in der Klosterallee 67 haben wir 2012 eröffnet. Nachdem wir 2011 mit dem Bunte New Faces Award in der Kategorie „Bestes Accessoire-Label“ ausgezeichnet wurden, ist die Nachfrage gestiegen und wir sind aus der industriell geprägten Veddel ins quirlige mit Restaurants und Boutiquen gesäumte Harvestehude gezogen.

Eulen: In welchen Ländern gibt es deine Schuhe?

Alina: In Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durch den Onlinehandel sind sie jedoch weltweit erhältlich (Alinas Internetseite lautet www.alinaschuerfeld.com, die Eulenredaktion).

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Das Label ALINASCHUERFELD feiert dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum, Fotocredit: Dörte

Eulen: Was für Frauen kommen in dein Geschäft, um deine Schuhe zu kaufen?

Alina: Das ist ganz unterschiedlich. Die meisten Kundinnen sind zwischen 35 und 55 Jahre alt. Wir haben mittlerweile viele Stammkunden. Moderne selbstbestimmte Frauen, die ein Nischenprodukt und die damit verbundenen Werte zu schätzen wissen und auch bereit sind, für einen ressourcenschonenden Herstellungsprozess und umweltfreundliche Materialien etwas mehr Geld auszugeben.

Eulen: Machst du auch Schuhe für Kinder und Männer?

Alina: Nein. Anfangs hatten wir zwar auch eine Herrenlinie – welche ich sehr spannend fand –, allerdings hat sie damals nicht so richtig auf den deutschen Markt gepasst.

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Die Eulen sind für Gleichberechtigung, darum hier unser Vorschlag für einen Herrenschuh, Fotocredit: Arlena

Eulen: Hast du auch Hausschuhe?

Alina: Ja! Sie kommen aber eigentlich nie zum Einsatz. Oder fragt ihr, ob wir welche produzieren? Das tun wir nicht.

Eulen: Designst du auch Kleidung?

Alina: Manchmal fertigen wir unsere eigenen Teile, welche wir für eine Modenschau in Kombination mit unseren Schuhen verwenden, um einen bestimmten Look zu kreieren. 

Eulen: Was sind deine Träume und was möchtest du im Leben noch erreichen?

Alina: Zu viele, um sie hier aufzuzählen! Ich finde, man kann nicht genug Träume haben. Auch wenn sie vielleicht nicht alle realisierbar sind, sind sie doch eine treibende Kraft, um über sich und seine Grenzen hinauszuwachsen. Für das Label wünsche ich mir natürlich internationale Anerkennung, dass unsere Produkte in den renommierten Modehäusern dieser Welt stehen und somit unsere Mission vielen Menschen zugänglich gemacht wird. 

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Coole Mädchen kümmern sich und konsumieren bedacht, Fotocredit: Arlena

Eulen: Nimmst du auch Praktikantinnen und Praktikanten?

Alina: Ja! Bewerbt euch (Alinas Kontakt und den Link zu ihrem Instagram Account findet ihr ebenfalls auf www.alinaschuerfeld.com, die Eulenredaktion)!